Debatten

Mit unseren regelmäßigen JU-Debatte greifen wir kommunale, ländliche aber auch globale Fragen auf, um eine kontroverse Pro-Contra-Debatte zu führen. Die Themen sind hierbei ganz unterschiedlich: Von der EU-Mitgliedschaft bis zum Alkoholverbot in Dresdner Straßenbahnen ist (fast) alles dabei. Du hast Lust dich mit einen Thema oder auch einem Beitrag zu beteiligen? Dann schreib uns!

JU-DDebatte: Alkoholverbot in Bus und Bahn!?

Unbenannt

„Kein Alkohol unterwegs!“ lautete das Motto einer bundesweiten Aktionswoche (2017), an der auch die Landeshauptstadt und die DVB teilnahmen.
Was im Kern ein richtiges und wichtiges Anliegen darstellt, sorgte in seinen konkreten Ausprägungen für Kontroveresen. Soll der Alkoholkonsum in den öffentlichen Verkehrsmitteln gänzlich unterbunden werden? Alkoholverbot hop oder top – unsere beiden Mitglieder Peter und Alex haben sich ihre ganz eigenen Gedanken gemacht.

Pro Alkoholverbot in Bus und Bahn der DVB!

Pro Alkoholverbot in Bus und Bahn der DVB!

Wer ein Bier trinken möchte kann dies gerne in einem Restaurant, auf einer Parkbank oder bei sich zu Hause machen. Die Straßenbahn ist dafür nicht der richtige Ort, denn sie ist ein Transportmittel und kein Trinklokal. Deshalb macht die DVB, mit den neuen Piktogrammen, das Verzehrverbot von alkoholischen Getränken noch einmal deutlich.

Verbot hat seine Bewandtnis! Neu ist das Verbot nicht, denn im gesamten Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), zu dem auch die DVB gehört, besteht schon immer ein Ess- und Trinkverbot. Mit der aktuellen Kampagne sensibilisiert die DVB noch einmal alle Fahrgäste sich daran zu halten.

 
Diese Verbote existieren nicht ohne Grund! Denn Nahverkehrsmittel halten häufig abrupt an, beispielsweise durch eine Notbremsung. Hinzu kommt, dass es vor allem in Bussen stark wackelt und man ein Schlagloch stärke spürt als beispielsweise in einem Auto. Beides kann dazu führen, dass die achtlos weggestellte Bierflasche, aber auch ein randvoll gefüllter Kaffebecher, umfällt oder überläuft und schon wird der Inhalt auf den Schoss des Sitznachbarn oder dem Sitzpolster verteilt. Beides ist absolut ungünstig für Mensch und Fahrzeug. Denn bei ersteren läuft man danach mit klebrigen und nach bierstinkenden Sachen herum. Bei letzterem riecht das Ganze Fahrzeug nach Bier und der nächst Fahrgast muss aufpassen, dass er sich nicht auf den Falschen Platz setzt und sich ebenfalls seine Kleidung ruiniert. Zusätzlich kommen auf das Unternehmen noch Reinigungskosten hinzu, die es selber tragen muss, da der Verursacher oft nicht erwischt wird. Und dies kann letztlich zu einer Erhöhung des Fahrpreises führen.

Vorbild für Jüngere sein! Die gegenseitige Rücksichtnahme in unsere Gesellschaft nimmt immer mehr ab. Es ist einem egal ob der eigene unkonventionelle Lebensstil, andere stört oder beeinträchtigt. Genauso wenig fühlt man sich mittlerweile als Vorbild für die jünger Generation. Wenn man schon morgens und mittags mit einer Bierflasche in der Hand rumläuft, kann man kein gutes Vorbild für Kinder sein, vielmehr sollte man sich fragen ob man um die Uhrzeit schon ein Bier nötig hat.
Dagegen wirkt das Verbot. Denn es dient als Appell an die Fahrgäste, mehr Rücksicht zu nehmen, aber auch mehr Anstand bei der Fahrt mit der Bahn oder mit dem Bus walten zu lassen.
Letztlich ist es viel schöner, mit Bus und Bahn zufahren, wenn man nicht die Anwesenheit eine alkoholisierten, laut grollenden Gruppe ertragen muss.

Peter Miersch ist 20 Jahre alt und studiert Maschinenbau an der TU.

Pro Alkoholverbot in Bus und Bahn der DVB!

Pro Alkoholverbot in Bus und Bahn der DVB!

Dresden – das ist für mich nicht der Inbegriff von urbaner Gemütlichkeit. Ob beim Chillen auf den Elbwiesen oder einer entspannten Runde durch den Großen Garten – hier lässt sich das Leben genießen. Ab und an rundet ein alkoholhaltiges Erfrischungsgetränk diesen Genuss perfekt ab. Doch halt! Das Feierabendbierchen ist die Wurzel allen Übels in dieser Stadt! – Nicht.

Ich bin kein Suffi und du? Ein Sterni bedeutet nicht gleich sternhagelvoll, liebe Moralapostel! Ich nutze ‚ die Öffentlichen‘ mehrfach täglich. Dabei sehe ich den Bauerarbeiter mit seinem Feierabendbierchen hier oder den Discoblickfang mit der Dose Prosecco da. Kurz um: Maß und Mitte bestimmen den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Unbestritten: Den Klischee-Kampftrinker trifft man vereinzelt auch. Doch diese Extremfälle können nicht der Maßstab dafür sein, die restlichen 99 Prozent zu gängeln.

Freiheit leben statt Hashtagzombies heranziehen! Schlagwörter wie Start-up-Kultur, Kreativität und Selbstverwirklichung haben dieser Tage Hochkonjunktur. Ohne das Bewusstsein von Freiheit in Verantwortung sind sie jedoch nur leblose Worthülsen auf dem Hashtag-Friedhof. Erst dieses Lebensgefühl verwandelt unsere Großstädte in moderne Sehnsuchtsorte für gesellschaftliche und technische Innovation.
Wenn wir uns als Gesellschaft nicht mal in unserem urbanen Wohnzimmer zutrauen, alltagspraktische Freiheit verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll zu genießen, dann obsiegt die „German Angst“.

Die Jugend braucht keine Heuchler! Ein Blick in die Statistik zeigt: die Jugend ist clever genug, sich die richtigen Vorbilder zu suchen. Die Teens und Twens der Republik trinken Alkohol viel weniger und maßvoller als früher. Kontrollverlust gilt als peinlich, der Kater danach als eklig. Der sinnbildliche Kampftrinker in der Bahn weckt bei den Jugendlichen also eher Mitleid. Zum Komasaufen fühlt sich davon längst keiner mehr angestachelt. Das traue ich uns allen zu. Lasst uns den Mut haben, uns dieses kleine Stück Freiheit in unserer Alltagskultur zu bewahren. Auf die gemütlichste Stadt der Welt: Prost!

Alex ist 27 Jahre alt und Beisitzer ins unserem Kreisvorstand.

Abonniert unseren Newsletter!
Schließt euch uns an! Über unseren Newsletter erhaltet ihr regelmäßig Informationen zu Veranstaltungen, Terminen und Inhalten der JU Dresden.
Wir hassen Spam. Deine Email Adresse wird nicht verkauft oder an Drittparteien weitergegeben.